Verkehrssicherheitsberater Klaus Sieker vom Polizeipräsidium Münster beim Radverkehrstraining mit Viertklässlern der Paul-Gerhardt-Schule in Hiltrup, die auch schwierige Situationen meisterten.
118 Kinder verunglückten im vergangenen Jahr in Münster im Straßenverkehr, 15,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Eine effektive Verkehrserziehung ist daher überlebenswichtig. „Doch manche Kinder sind auf dem Fahrrad auch in der vierten Klasse noch nicht sicher im Straßenverkehr unterwegs“, stellt Verkehrssicherheitsberater Klaus Sieker von der Direktion Verkehr beim Polizeipräsidium Münster immer wieder fest.
Gemeinsam mit seinen Kollegen führt er seit vielen Jahren das Fahrradtraining in den münsterischen Grundschulen durch. Nach dem Motto: vormachen, nachmachen, üben.
Auch beim jüngsten Schulungstermin mit Viertklässlern der Paul-Gerhardt-Schule radeln die Eltern hinter ihrem Nachwuchs her und bekommen von Polizistin Kerstin Hagemann Tipps zum weiteren Üben.
Noch etwas schwierig finden die Kinder an diesem Vormittag das Linksabbiegen auf Kreuzungen ohne Verkehrszeichen. „Man muss auf so Vieles gleichzeitig achten“, sagt Marlene (9). „Nach hinten sehen, den Arm rausstrecken, schauen, ob jemand von rechts oder links kommt.“ Und da manche Autofahrer selbst dann weiterfahren, wenn die Ampel an einem Fußgängerübergang auf Rot umspringt, „solltet ihr Blickkontakt zum Fahrer aufnehmen“, rät Sieker. „Um sicherzugehen, dass er wirklich anhält.“ Sundus (9) ist schwer beeindruckt.“ Das mit dem Blickkontakt, auch wenn man Vorfahrt hat, „wusste er noch nicht. „Leider sind manche Autofahrer auf dem Egotrip unterwegs“, beklagt Sieker. „Kinder müssen mit dem Fehlverhalten von Erwachsenen rechnen.“
Da viele Kinder ab dem Wechsel zur weiterführenden Schule mit dem Rad unterwegs sind, sollten Eltern mit ihrem Nachwuchs ab der dritten Klasse das Fahren im Straßenverkehr üben. „Nur so können auch schwierige Situationen gemeistert werden“, sagt Sieker. Grundregel: „Keine Fahrt ohne Helm“. Einige Drittklässler seien bereits in der Lage, geübte Strecken alleine zu fahren, da sie das Rad sicher beherrschen und über Regelkenntnisse verfügen. Sieker: „Das ist jedoch eher die Ausnahme.“
Er fährt beim Training voraus, die Kinder folgen. Sie überholen nach Schulterblick und Handzeichen parkende Autos, achten auf Rechts-vor-Links-Regelungen und Verkehrszeichen. Das fordert Konzentration. Deshalb sollten Kinder unter acht Jahren nicht alleine mit dem Fahrrad am Straßenverkehr teilnehmen, rät Sieker. „Sie sind noch nicht in der Lage, die erforderlichen Handlungen gleichzeitig zu koordinieren.“ Rundum sichere Verkehrsteilnehmer sind Kinder nach Ansicht von Experten erst ab 14 Jahren. Obwohl sie dann immer noch deutlich langsamer reagieren als Erwachsene.

Radfahrtraining: Tipps für Eltern
Mit dem Tretroller oder Laufrad sollten Kinder früh mobil werden, sodass das Motoriktraining fürs Radfahren zum Ende der zweiten Klasse abgeschlossen ist.
Ab der dritten Klasse sollte das Fahren im Straßenverkehr geübt werden. Nur so lernen die Kinder, auch mit Negativbeispielen zurechtzukommen.
Das Kind nicht kommentarlos begleiten, sondern erklären und das Kind erzählen lassen, was es wahrnimmt.
Bis zum achten Lebensjahr müssen radelnde Kinder den Gehweg benutzen, und Begleiter ab 16 dürfen sie hier neuerdings fahrend begleiten. Bis zum zehnten Lebensjahr dürfen Kinder auf dem Gehweg fahren.
Seit 2016 dürfen Kinder bis zum achten Lebensjahr auch den Radweg benutzen, wenn er baulich von der Fahrbahn getrennt ist.

Von Karin Höller
(Westfälische Nachrichten, Samstag, 06. Mai 2017)